Our model & changelog

Wie entsteht unser Modell

Das Problem. Große Wetterdienste rechnen den Wind für ein Gitter von rund 2 km. Für die offene See ist das gut genug – für ein enges Bergtal oder einen Düsen-Windsee zu grob. Der lokale Wind, der genau dort entsteht, fällt durch das Raster: das Modell zeigt oft „fast windstill“, während am Wasser in Wirklichkeit eine schöne Session läuft.

Die Idee ist nicht neu. Schon 2018 haben wir sie verfolgt und ausgewertet. Damals lernte das Modell allein aus den Messdaten der Station selbst und leitete daraus ab, wie sich der Windverlauf in die nächsten Stunden fortschreibt. Das Ergebnis war beachtlich: die nächsten drei Stunden sagten wir besser vorher als die einschlägigen Wetterdienste. Aber es gab ein grundsätzliches Problem: das Modell sieht das Wetter über die Station hinaus nicht – kein Blick auf das, was großräumig heranzieht.

Was sich geändert hat. Seit 2022 stellt Open-Meteo historische Vorhersagedaten bereit – also das, was die Wettermodelle in der Vergangenheit tatsächlich vorhergesagt haben. Nach vier Jahren ist dieser Datensatz groß genug, um damit zu trainieren. Und er wächst weiter: je mehr Daten, desto umfangreicheres Lernen – womit sich die Vorhersagen mit der Zeit voraussichtlich weiter verbessern.

Unsere Idee heute. Wir werfen die offizielle Vorhersage nicht weg – wir nehmen sie als Ausgangspunkt und korrigieren sie statistisch Richtung Realität (ein MOS-Verfahren). Ein lernendes Modell bekommt dazu lokale Signale, die den Wind antreiben: Druckgradienten, Höhenwind, Sonneneinstrahlung, Luftschichtung. Aus vielen Jahren eigener Messungen lernt es, was aus diesen Signalen tatsächlich für ein Wind am Wasser wird. Statt einer einzelnen Zahl geben wir eine Bandbreite aus – Grundwind und Böe je Stunde, mit ehrlich sichtbarer Unsicherheit – und leiten daraus ab, wie wahrscheinlich der Tag surfbar wird.

Der Einstieg: die Eingabeparameter. Ein lernendes Modell ist nur so gut wie das, was es sieht. Besonders wichtig ist die Zeit: Thermik ist ein Rhythmus – sie baut sich mit der Sonne über den Tag auf, erreicht am Nachmittag ihr Maximum und schläft abends wieder ein; über das Jahr ändert sich das mit Sonnenstand und Tageslänge. Allein zu wissen, welche Stunde und welcher Tag im Jahr gerade ist, sagt dem Modell schon, wo im Zyklus wir stehen.

Gelernt aus einem anderen Modell. Simon Stieber hat für den Walchensee viel Zeit investiert, die Regeln herauszuarbeiten, unter denen dort die Thermik zündet. Sein Parametersatz war für uns Gold wert – übernommen haben wir vor allem die Treiber: den Druckgradienten München–Innsbruck, den Föhn-Gradienten Bozen–Innsbruck, die Sonneneinstrahlung und den Höhenwind auf 850/700 hPa.

Was wir anders machen. Ein regelbasiertes Orakel beantwortet eine Ja/Nein-Frage (zündet die Thermik?). Wir dagegen sagen den Wind selbst vorher: wie viele Knoten Grundwind und Böe, Stunde für Stunde, als Band. Daraus ergibt sich nicht nur „Wind ja/nein“, sondern die Stärke und wie wahrscheinlich jede Windklasse ist – unabhängig von der Ursache (Thermik, durchbrechender Höhenwind oder Front).

Grenzen heute – und warum wir besser werden

Unsere Modelle stoßen an eine klare Grenze: wir haben zwar 10+ Jahre gemessenen Wind, aber erst seit 2022 die historischen Vorhersagedaten zum Trainieren. Für die alltäglichen Lagen (die thermische Ora am Gardasee, den Talwind am Walchensee) reicht das gut – für seltene Wetterlagen sind es schlicht zu wenige Beispiele.

Beispiele vom Gardasee: der Balin/Nordföhn (kräftiger Nordwind, oft im Winter) und die Nebensaison (Frühjahr/Herbst, Übergangslagen) – solche Tage gibt es pro Jahr nur eine Handvoll. Davon hat das Modell zu wenig gesehen, um sie zuverlässig zu treffen.

Warum wir besser werden: der Trainingsdatensatz wächst mit jedem Jahr. Mit mehr Historie erfassen wir auch die seltenen Lagen zunehmend – perspektivisch beschleunigt durch lange, hochauflösende Reforecast-Archive.

Dabei hilft uns eure Rückmeldung: In den Reports könnt ihr künftig zu jedem Spot mit Vorhersage bewerten, ob unsere Prognose gepasst hat („echter Fehler / grenzwertig / korrekt“ + Kommentar). Diese Urteile fließen gezielt in die Verbesserung der schwierigen Tage ein.

Model quality compared

All models over the last test year, always against measured reality. „Hits total" = correctly classified days of all days; „deviation" = how close the predicted base wind was; „MAE vs. raw" = improvement over the raw forecast.

SpotTesttageTreffer gesamtAbw. <1 kn1–2 kn>2 knFehlalarmeVerpasserMAE vs. roh
Torbole36662 %39 %27 %33 %1471−42 %
Malcesine26960 %33 %25 %42 %1540−40 %
Campione12945 %34 %28 %38 %1230−41 %
Caporeámol28457 %42 %26 %32 %1356−31 %
Walchensee25263 %36 %28 %36 %1144−47 %
Kochelsee36674 %65 %18 %17 %1819−43 %

Changes

24.07.2026

Gardasee: Ora und Pelér getrennt bewertet – und bewusst konservativ

Am Gardasee sagen wir zwei Winde getrennt vorher: den Pelér (Nordwind am frühen Morgen) und die Ora (thermischer Süd-/Südwestwind am Nachmittag). Deshalb werten wir ihre Treffsicherheit auch getrennt aus – jeweils nur in ihrem Zeitfenster und nur an Tagen, an denen der Wind tatsächlich aus der passenden Richtung wehte.

Ausgewertete Zeitfenster (Ortszeit): Pelér 04–11 Uhr (Nordsektor 315–45°), Ora 12–19 Uhr (Süd–WSW 150–255°). „Treffer“ heißt: die angesagte Stufe (kein / wenig / Windtag / Big) traf exakt. „≤1 kn / ≤2 kn“ zählt einen Tag zusätzlich als Treffer, wenn die Vorhersage nur so knapp an der Klassengrenze daneben lag – z. B. „wenig 10,5 kn“ statt gemessenem „Windtag 11 kn“. Fehlalarm = Windtag+ angesagt, war aber keiner; Verpasser = Windtag+ gewesen, aber nicht angesagt.

Pelér (Morgen, Nord):

SpotTage im SektorTreffer≤1 kn≤2 knFehlalarmeVerpasser
Torbole22476 %80 %85 %015
Malcesine25756 %62 %72 %1727
Campione12482 %82 %90 %05
Capo Reámol27167 %71 %81 %1126

Ora (Nachmittag, Süd–WSW):

SpotTage im SektorTreffer≤1 kn≤2 knFehlalarmeVerpasser
Torbole25358 %60 %65 %721
Malcesine20068 %72 %80 %124
Campione11448 %51 %57 %1028
Capo Reámol23783 %86 %93 %04

Warum wir eher konservativ ansagen. Ein Fehlalarm – wir sagen Wind, es ist Flaute – kostet dich eine vergebliche Fahrt an den See. Das wiegt für uns schwerer als ein verpasster Tag. Darum entscheiden wir am Median (q50) statt an einem optimistischen oberen Quantil: lieber einmal zu wenig versprochen als dich umsonst losschicken. Eine Auswertung über alle Quantile hat gezeigt, dass ein höheres Quantil an den echten Pelér-/Ora-Tagen kaum mehr Treffer bringt – es fängt vor allem windige Tage aus anderen Richtungen ein, die wir gar nicht als Ora oder Pelér ansagen, und erhöht sonst nur die Fehlalarme.

20.07.2026

Gardasee von Grund auf analysiert – die Physik von Ora & Pelér (und wo das Ceiling liegt)

Wir haben die Gardasee-Winde noch einmal von Grund auf untersucht – genau wie beim Kochelsee. Aus mehreren Jahren gemessenem Wind an vier Stationen haben wir die klarsten 290 Pelér- und 154 Ora-Tage herausgesucht (Datencheck: Malcesine/Campione/Caporeámol sauber, Torbole-Richtung defekt) und ihnen die großräumige Wetterhistorie gegenübergestellt.

Das neue Eingabe-Set (großskalig): ein Punktnetz von der Ligurischen Küste über die Po-Ebene bis nördlich der Alpen (München, Innsbruck), in mehreren Höhen (925/850/700/500 hPa inkl. Geopotential) und mit Front-Anmarsch samt Zuggeschwindigkeit (Upstream-Punkte mit 6/12-h-Zeitversatz). Das bisherige Set war dagegen spot-nah: der lokale Wind aus dem hochauflösenden 2-km-Modell, Persistenz, Wassertemperatur und die Druckgradienten.

Die Physik ist klar: die Ora ist thermisch (Sonne heizt Nordberge + Po-Ebene → Hitzetief saugt die Luft see-aufwärts; Treiber: Druckgradient Po→Bozen + Einstrahlung), der Pelér dynamisch (Nord-Abfluss aus dem Etschtal + hoher Druck nördlich der Alpen). Diese Treiber zeigen wir jetzt als Charts auf der Gardasee-Seite.

Ehrliche KPIs: ein rein physik-basiertes Modell – selbst mit dem lokalen Wind aus dem 25-km-Modell – schlägt unser bestehendes Modell nicht (mittlerer Fehler Malcesine 2,47 vs. 2,18 kn; Torbole 2,04 vs. 1,77). Auch das große Physik-Set zusätzlich ins bestehende Modell zu legen bringt nichts (2,18 → 2,18). Der Grund ist die Auflösung: der kanalisierte See-Wind braucht das 2-km-Gitter (ICON-D2); ein 25-km-Gitter kann ihn nicht auflösen. Die verbleibenden Verpasser sind lokal/nächtlich (u. a. „Bali“), nicht großräumig.

Was wir konkret verbessert haben: den Windtag-Arbeitspunkt. Die Ora-Einstufung läuft jetzt auf einem höheren Quantil (q70) – das halbiert die verpassten Windtage (Malcesine 40 → 23, Torbole 71 → 47, Campione 30 → 9) bei nur moderat mehr Fehlalarmen. Für ein Surf-Produkt ist ein verpasster Tag schlimmer als ein Fehlalarm.

Warum der Gardasee schwerer bleibt als der Kochelsee: der Kochelsee-Föhn hat ein sehr sauberes Großraum-Signal; die Garda-Ora ist thermisch verrauscht und der Pelér wird sub-skalig durch die Berge kanalisiert. Das ist kein fehlendes Feature, sondern die Natur dieser Winde – unser Modell liegt für die verfügbaren Eingaben nahe am Machbaren.

19.07.2026

Großwetterlage (GFS 25 km) integriert – Pelér bei Alpen-Regen nicht mehr verpasst

Das hochauflösende Modell (ICON-D2) zerrechnet den kanalisierten Nordwind (Pelér) oft zu fast nichts. Wir nutzen jetzt zusätzlich das grobe 25-km-Modell (GFS) für die Großwetterlage: bei großflächigem Regen in den Alpen entsteht nördlich ein Kaltluftpool mit Drucküberschuss – das treibt einen kräftigen Pelér, den das feine Modell verfehlt.

Auf genau den kritischen Tagen (feines Modell schwach, aber gemessen ein echter Nord-Windtag) sinkt der Grundwind-Fehler von 2,08 auf 1,74 kn (−16 %). Über alle Testtage bleibt die Windschärfe gleich gut (Malcesine mittlerer Fehler 2,18 kn, Torbole 1,77, Campione 1,94).

Weil der Pelér am Median systematisch unterschätzt wird (nur das obere Band trägt ihn), entscheidet seine Windtag-Einstufung nun auf einem höheren Quantil (q80) – die Ora (die das feine Modell gut sieht) bleibt beim Median. So steht ein realer Pelér-Windtag nicht mehr als „wenig“ da, obwohl die Windtag-Chance bei 80 % liegt.

Zur Orientierung außerdem neu: eine Strömungskarte für den nördlichen Gardasee (animierte Windströmung zwischen unseren Stationen).

17.07.2026

Ora-Güte am Gardasee nachjustiert

Die Ora-Chance (Süd-Wind nachmittags) war zu pessimistisch – besonders in Torbole, wo das Richtungs-Gate den WSW-Anteil der Ora wegschnitt (Basisrate fälschlich ~1 %). Neu: breiterer/SW-verschobener Ora-Sektor und eine 2-Stunden-Hürde (eine 2-Stunden-Ora ist eine echte Session).

Damit passt die Ora-Güte wieder zum Windtag: kein „kaum Wind“ mehr an klaren Windtagen. Die Trefferqualität bleibt gleich (Ora-AUC Torbole 0,93).

17.07.2026

Klassifizierung nur noch nach dem Grundwind

Die Wind-Stufen (kein / wenig / Windtag / Big) hängen ab jetzt nur am nachhaltigen Grundwind – die Böe bestimmt die Stufe nicht mehr. Grund: die Böe ist schwerer vorherzusagen und blähte die Klassen auf; an einzelnen Stationen wurde dadurch „Big“ an vielen Tagen angezeigt, an denen der nachhaltige Wind gar keinen Windtag hergab.

Starke Böen (≥ 25 kn) an einem Windtag zeigen wir jetzt zusätzlich als Hinweis an, statt sie in die Stufe einzurechnen.

Das ist eine reine Anzeige-Umstellung (kein Neutraining). Auf den Qualitätsseiten sind die Bilanzen dadurch ehrlicher – teils niedriger als vorher, weil die aufgeblähten Böen-Windtage wegfallen.

16.07.2026

Walchensee & Kochelsee produktiv

Die Wind-Vorhersage für Walchensee und Kochelsee ist live. Beide sind föhn-/thermikgetriebene Voralpenseen; das Modell lernt den lokalen Bias aus mehreren Jahren eigener Messung und zeigt Grundwind + Böe je Stunde mit Unsicherheitsband, eine Windtag-Güte sowie die wichtigsten Treiber (Föhngradient, Patscherkofel-Höhenwind, Vorland-Nebel).

Details und die laufende Auswertung gegen die gemessene Realität stehen auf der jeweiligen Qualitätsseite des Spots.